Warum Transformation an zu viel Technik scheitert
Eines der vier Schluss-Theoreme der Arbeit lautet, Kompetenzmanagement verlaufe „in den Kapillaren der Organisation“ — nicht zentralistisch verordnet, sondern getragen von Gruppen und ihren geteilten Werten. Wer Erneuerung als Top-down-Programm denkt, verfehlt den Ort, an dem sie tatsächlich stattfindet. Sie geschieht dort, wo Menschen ihre Routinen teilen, infrage stellen und neu aushandeln — und das lässt sich nicht von oben anordnen, sondern nur ermöglichen.
Diese Warnung von 2014 ist heute meine Kernthese geworden: Die meisten Organisationen haben kein Technologie-, sondern ein Organisationsproblem. Wer Transformation an die Technik delegiert, verfehlt die Kapillaren, in denen sie sich vollzieht — und produziert genau die reduzierte Wirklichkeit, vor der die Arbeit warnt. Die Linie führt von hier direkt zu meiner heutigen Position.
Dass die Frage drängt, war schon damals messbar: Über 99 Prozent der Organisationen erkennen Umweltveränderungen als Chance — doch rund 60 Prozent fehlt die Grundlage, Umweltrisiken überhaupt systematisch zu identifizieren (Capgemini/Kienbaum 2012). Diese Lücke zwischen Wollen und Können zu schließen, war der Antrieb der Arbeit — und ist es geblieben.