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№ 033FallstudieDigitales Organisationsdesign

Konfigurieren statt kopieren — Selbstorganisation in vier Schritten

Wie ein Energiedienstleister vom Befund zur maßgeschneiderten Lösung kam — ein Fall in vier Schritten, ohne ein Modell von der Stange.

Kurzantwort

Wie führt man Selbstorganisation schrittweise ein, ohne ein Standardmodell zu kopieren? Am anonymisierten Fallbeispiel „Innovate Solutions“, einem Energiedienstleister zwischen Wachstum und neuen Herausforderungen, zeigt der Selbstorganisations-Kompass vier Schritte: (1) Analyse des Status quo mit dem Gestaltungsbaukasten, (2) Inspiration durch die Modell-Profile, (3) Konfiguration — vom Befund zur maßgeschneiderten Lösung, (4) Umsetzung und Iteration mit Pilotierung und Lernschleifen. Das typische Ergebnis ist kein Lehrbuchmodell, sondern eine hybride Lösung: autonome Teams plus Koordinationskreise mit Doppelverbindern, und nach Entscheidungstyp differenzierte Verfahren.

Die häufigste Frage nach „Welches Modell?“ lautet „Wie fangen wir an?“. Auch darauf gibt es keine Blaupause — aber ein Vorgehen. Am Fallbeispiel „Innovate Solutions“, einem Energiedienstleister im Umbruch, lässt sich der Weg in vier Schritten zeigen, der aus einer diffusen Unzufriedenheit eine konkrete Organisationsentscheidung macht.

Schritt 1 — Analyse: den Status quo sichtbar machen

Am Anfang steht keine Modellwahl, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme. Mit dem Gestaltungsbaukasten wird für jeden der fünf Bereiche — Struktur, Rollen, Führung, Entscheidung, Partizipation — erhoben, wo die Organisation heute steht und wo sie hinwill. So wird aus „uns stört etwas“ eine Landkarte mit konkreten Ist-Soll-Lücken.

Schritt 2 — Inspiration: die Modell-Profile als Ideengeber

Erst jetzt kommen die etablierten Modelle ins Spiel — nicht als Auswahlmenü, sondern als Steinbruch. Die Profile von Soziokratie, Holokratie, Zellstrukturdesign und anderen liefern bewährte Bausteine: Wie regelt das Kollegiale Kreismodell Verantwortung? Wie organisiert das Zellstrukturdesign Marktnähe? Man borgt Elemente, statt ein Paket zu übernehmen.

Die Modelle sind ein Steinbruch, kein Menü. Man entnimmt Bausteine — man bestellt kein Paket.

Schritt 3 — Konfiguration: vom Befund zur Lösung

Im dritten Schritt werden Befund und Bausteine zusammengeführt. Bei „Innovate Solutions“ führte das zu einem hybriden Organisationsmodell: autonome Teams für die Wertschöpfung, ergänzt um Koordinationskreise mit Doppelverbindern für die Abstimmung zwischen den Einheiten — orientiert an Zellstrukturdesign und Kollegialem Kreismodell, aber keines davon rein. Entscheidend war zudem, die Entscheidungsfindung nach Typ zu differenzieren statt einheitlich zu regeln: operative Fragen per delegiertem Fallentscheid, komplexe per einwandsbasiertem Konsent, strategische konsultativ mit Veto der Geschäftsführung.

Schritt 4 — Umsetzung und Iteration

Eine Konfiguration ist eine Hypothese, kein Endzustand. Deshalb folgt die Einführung dem agilen Prinzip: pilotieren, beobachten, nachjustieren. Nicht alles auf einmal, sondern in Teilen — mit Lernschleifen, die das Modell an die Wirklichkeit anpassen, statt die Wirklichkeit ans Modell zwingen zu wollen.

Was der Fall lehrt

„Innovate Solutions“ ist anonymisiert, aber das Muster ist real und wiederkehrend: Wer konfiguriert statt kopiert, landet fast immer bei einer hybriden, differenzierten Lösung — und bei deutlich mehr Akzeptanz, weil die Organisation ihren eigenen Weg erkennt statt ein fremdes Modell zu erleiden. Das Vorgehen ist der Kern des Selbstorganisations-Kompasses; warum es kein Standardmodell gibt, steht in Es gibt kein bestes Selbstorganisationsmodell.

Vier-Schritte-Prozess des Selbstorganisations-Kompasses
Der Selbstorganisations-Kompass in vier Schritten am Fallbeispiel Innovate Solutions: Analyse, Inspiration, Konfiguration, Umsetzung & Iteration (Fritzsche/Reinhardt 2026). Eigene Darstellung © 2026 Prof. Dr. Kai Reinhardt.

Häufige Fragen

Wie führt man Selbstorganisation schrittweise ein? In vier Schritten: Analyse des Status quo mit dem Gestaltungsbaukasten, Inspiration durch Modell-Profile, Konfiguration zur maßgeschneiderten Lösung und Umsetzung mit Pilotierung und Lernschleifen.

Was ist ein hybrides Organisationsmodell? Eine Kombination aus Elementen mehrerer Modelle statt eines reinen — etwa autonome Teams plus Koordinationskreise mit Doppelverbindern, mit nach Entscheidungstyp differenzierten Verfahren.

Warum konfigurieren statt kopieren? Weil ein kopiertes Modell selten zum Kontext passt. Konfiguration führt zu einer hybriden, differenzierten Lösung und zu höherer Akzeptanz, weil die Organisation ihren eigenen Weg erkennt.

[kr] Kai Reinhardt · Mai 2026
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