Die DNA der Organisation unter digitalem Dauerbeschuss
Bei Cloud-Transformationen geht es längst nicht mehr um Technik. Die eigentliche Baustelle ist der organisatorische Kern — und der bleibt erstaunlich oft auf dem Stand von 1995.
In Cloud-Transformationen geht es längst nicht mehr nur um Technologie. Das wiederkehrende Muster: Unternehmen investieren in KI, Plattformen und Labs — lassen aber den organisatorischen Kern auf dem Niveau von 1995. Strukturen, Prozesse und Führungssysteme bleiben analog, während agile Einheiten on-top aufgesetzt werden. Nötig ist der Umbau des Kerns, getragen von in digitaler Organisation geschulten Cloud Leadern.
Dieses Interview führte ich im Januar 2019 mit der Fachhochschule Nordwestschweiz, im Vorfeld des Cloud Use Cases Day in Olten. Der Anlass war ein Vortrag mit dem bewusst zugespitzten Titel „Get your organization digital. Or die trying.” Der Kern der Sache lässt sich knapp zusammenfassen.
Welche Relevanz hat Organisationsmanagement im Cloud-Zeitalter? Bei Cloud-Transformationen geht es heute nicht mehr nur um Technologie. Unternehmen sind viel stärker mit nicht-technischen Herausforderungen konfrontiert. In der Arbeit mit Unternehmen zeigt sich immer dasselbe Muster: Die Führung investiert in digitale Innovationen — KI, smarte und vernetzte Plattformen — lässt die organisatorischen Innovationen aber außen vor. Die Organisation wird technisch erneuert; Strukturen, Prozesse und Führungssysteme bleiben auf dem Niveau von 1995.
In wenigen Jahren werden rund 75 % der Mitarbeitenden der Millennials-Generation angehören. Diese Generation kennt nichts anderes, als vernetzt in der Cloud zu leben — und trifft in den Betrieben auf starre Hierarchien, unflexible Karrieresysteme und intransparente Beförderung. Und dann erwarten wir, dass sie dort digital innovativ ist? Ohne radikale digitale Organisationsentwicklung funktioniert das nicht.
Die Organisation wird technisch erneuert — die Strukturen, Prozesse und Führungssysteme bleiben aber auf dem Niveau von 1995.

Was meinen Sie mit der „DNA” der Organisation? Die Digitalisierung trifft Unternehmen heute im Kern, nicht mehr nur an einem Punkt wie Online-Marketing, Produktion oder Finanzmanagement. Punktuelle Transformationen haben viele gut im Griff. Im organisatorischen Kern aber agieren sie noch analog — deshalb die Metapher der DNA. Die organisatorische DNA besteht aus einzelnen Teilchen: Business-Strategie, Führungskultur, Governance-System, HR-Management. Dieser Kern wird nur punktuell weiterentwickelt — und darauf werden agile Organisation, Innovation-Labs und Data Analytics aufgesetzt. Das erzeugt genau die Reibungen, die wir aus Digitalisierungsvorhaben kennen: Verweigerung, Angst vor Machtverlust, Fehlinvestitionen.
Nötig ist der Umbau des Kerns. Die Gensequenz dazu liefert die Weiterentwicklung des Kaders zu „Cloud Leadern” — in digitaler Organisation geschulte Top-Kräfte, die die Organisation von innen erneuern. Aus heutiger Sicht ist dieses Interview ein früher Beleg für eine These, die meine spätere Arbeit trägt: Der Engpass der Transformation ist nicht die Technik, sondern das Organisationsdesign.
Häufige Fragen
Worum geht es bei Cloud-Transformation wirklich? Nicht primär um Technik, sondern um Organisation. Die größten Herausforderungen sind nicht-technischer Natur — Strukturen, Prozesse, Führung und Kultur.
Was bedeutet die DNA der Organisation? Eine Metapher für den organisatorischen Kern: Business-Strategie, Führungskultur, Governance und HR. Wird er nur punktuell erneuert, während agile Labs on-top sitzen, entsteht Reibung.
Was sind Cloud Leader? In digitaler Organisation geschulte Führungskräfte, die den analogen Kern von innen umbauen — statt Digitalisierung nur oben aufzusetzen.