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FeldnotizDigitale Transformation

Die digitale Transformation — eine Reise, die vor 30 Jahren begann

Die digitale Transformation begann nicht gestern. Sie begann mit Lochkarten — und ihr eigentliches Problem ist bis heute dasselbe geblieben.

Kurzantwort

Die digitale Transformation begann nicht gestern. Vor 30 Jahren startete meine Ausbildung zum Datenverarbeitungskaufmann — Daten gingen per Lochkarte (640 Bit) an Großrechner. Heute trägt jeder ein Smartphone mit dem 1,7-Milliardenfachen an Speicher. Doch organisatorisch und im Verhalten hat sich erstaunlich wenig bewegt: Aktenschränke, Faxgeräte, gescheitertes Homeschooling. Die Technik ist explodiert, die Organisation hinkt hinterher.

Es ist schwer zu glauben, aber die digitale Transformation begann vor 30 Jahren. Damals startete ich meine Ausbildung zum Datenverarbeitungskaufmann in einem Produktionsunternehmen, wo Daten per Lochkarte an Großrechner gesendet wurden — aus heutiger Sicht ein wahnsinnig aufwändiges Verfahren. Pro Karte ließen sich 80 Zeichen speichern, umgerechnet 640 Bit. Wer sich verschrieb, warf die Pappkarte weg und stanzte sie neu. Zu Recht hieß der Beruf damals Datenverarbeitungskaufmann: In der Verarbeitung von Daten steckte echte Arbeit.

Heute tragen wir Smartphones mit dem 1,7-Milliardenfachen an Speicherkapazität gegenüber jenen Lochkarten. Und doch hat sich organisatorisch und verhaltensmäßig erstaunlich wenig verändert. Schränke voller Papierakten, der hartnäckige Einsatz von Faxgeräten, das Versagen im digitalen Homeschooling — nur einige Beispiele für die Verzögerung des digitalen Fortschritts in Unternehmen und Behörden.

Die Speicherkapazität wuchs um den Faktor 1,7 Milliarden. Die Art, wie wir Organisationen führen, kaum.

30 Jahre digitale Transformation: Lochkarte (640 Bit) gegen Smartphone (1,7 Mrd× mehr Speicher) — Organisation und Verhalten kaum verändert.
30 Jahre digitale Transformation: Die Technik wuchs um den Faktor 1,7 Milliarden — Organisation und Verhalten kaum. Eigene Darstellung © 2021 Prof. Dr. Kai Reinhardt.

Viele Unternehmen und Führungskräfte sind überfordert, wenn es um die Umsetzung einer digitalen Strategie geht. Das ist besorgniserregend, denn die digitale Transformation ist kein Trend, sondern eine Notwendigkeit für Wettbewerbsfähigkeit. Technologie, Verhaltensänderung und Prozesse müssen in Einklang gebracht werden — und Organisationen sollten den Wandel als Chance für Wachstum begreifen, nicht als Bedrohung.

Aus heutiger Sicht ist die Lehre dieser kleinen Zeitreise dieselbe wie damals: Der Engpass war nie die Technik. Es war und ist die Geschwindigkeit, mit der Organisationen sich selbst erneuern.

Häufige Fragen

Wann begann die digitale Transformation? Für meine Generation vor rund 30 Jahren — zu Zeiten der Lochkarte und der Ausbildung zum Datenverarbeitungskaufmann. Sie ist kein neues Phänomen, sondern eine lange Entwicklung.

Was hat sich seither verändert — und was nicht? Die Technik ist um den Faktor 1,7 Milliarden gewachsen. Organisation und Verhalten dagegen kaum: Papierakten, Faxgeräte und träge Strukturen halten sich hartnäckig.

Ist digitale Transformation ein Trend? Nein, eine Notwendigkeit für Wettbewerbsfähigkeit — Technologie, Verhalten und Prozesse müssen zusammenkommen.

[kr] Kai Reinhardt · November 2021
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