← Insights InsightsAnalyse
AnalyseOrganisation & Kultur

Unternehmenskultur — mehr als eine jährliche Mitarbeiterbefragung

Eine Jahresumfrage misst die Oberfläche. Was eine Organisation wirklich steuert, liegt darunter — und genau dort entscheidet sich der Erfolg.

Kurzantwort

Unternehmenskultur lässt sich nicht mit einer jährlichen Mitarbeiterbefragung erfassen. Edgar Scheins Modell unterscheidet drei Ebenen: sichtbare Artefakte, teils bewusste Glaubenssätze und unsichtbare Grundannahmen — und nur Letztere steuern wirklich. Da Unternehmen größer und dezentraler werden, gibt es keine homogene Kultur mehr. Wer Kultur verstehen will, braucht eine tiefere Analyse — denn starke Kultur wirkt messbar auf den Erfolg (McKinsey 2017).

Im Zeitalter der Globalisierung und dezentraler Unternehmen ist Unternehmenskultur aktueller denn je. Edgar Schein, einer der wichtigsten Vertreter der modernen Unternehmensführung, machte das Thema in den 1980er-Jahren erstmals vorstandsfähig. Und doch unterschätzen viele Führungskräfte es nach wie vor.

Schein versteht Kultur als soziales Phänomen, das jede und jeder mitprägt. Um sie zu verstehen, kommt man an seinem Modell nicht vorbei: Es unterscheidet beobachtbare Artefakte (Verhalten, Symbole, Sprache), Glaubenssätze (Werte, Normen, Leitbilder) und Grundannahmen (das Unausgesprochene, Selbstverständliche). Die Spitze ist sichtbar — gesteuert wird auf dem Grund.

Die Idee, eine jährliche Mitarbeiterbefragung genüge, um Kultur zu verstehen, ist ein Irrtum.

Edgar Scheins Drei-Ebenen-Modell der Unternehmenskultur: Artefakte, Glaubenssätze, Grundannahmen — eine Jahresumfrage sieht nur die sichtbare Spitze.
Edgar Scheins Drei-Ebenen-Modell der Unternehmenskultur: Eine Jahresumfrage sieht nur die sichtbare Spitze; gesteuert wird auf der Ebene der unsichtbaren Grundannahmen. Eigene Darstellung © 2022 Prof. Dr. Kai Reinhardt.

Hinzu kommt: Unternehmen werden größer und dezentraler. Eine homogene Kultur gibt es kaum noch — umso wichtiger ist es, die unterschiedlichen Entwicklungen innerhalb einer Organisation zu verstehen und zu bewerten, statt sie auf eine Kennzahl zu reduzieren.

Dass sich der Aufwand lohnt, zeigt die Wirkung: Laut einer McKinsey-Studie (2017) sind Unternehmen mit starker Kultur mit höherer Wahrscheinlichkeit finanziell erfolgreich, haben zufriedenere Mitarbeitende und geringere Fluktuation. Kultur ist damit kein weiches Beiwerk, sondern ein harter Erfolgsfaktor. Eine umfassende Analyse nach Schein versetzt Führungskräfte in die Lage, die eigene Kultur wirklich zu beurteilen — jenseits der jährlichen Momentaufnahme.

Häufige Fragen

Warum reicht eine jährliche Mitarbeiterbefragung nicht? Weil sie nur die sichtbaren Artefakte misst. Was eine Organisation wirklich steuert — die unsichtbaren Grundannahmen — bleibt unerfasst.

Was ist Edgar Scheins Modell der Kultur? Ein Drei-Ebenen-Modell: sichtbare Artefakte, teils bewusste Glaubenssätze und unsichtbare Grundannahmen. Erst die unterste Ebene erklärt das tatsächliche Verhalten.

Wirkt Unternehmenskultur auf den Erfolg? Ja. Laut McKinsey (2017) sind Unternehmen mit starker Kultur eher finanziell erfolgreich, haben zufriedenere Mitarbeitende und geringere Fluktuation.

[kr] Kai Reinhardt · Januar 2022
Newsletter

Nichts Wichtiges verpassen

Alle zwei bis vier Wochen ein neuer Essay oder eine Feldnotiz — fundiert, ohne Marketing-Lärm.