← Insights InsightsAnalyse
AnalyseTalent Management

Spielend Kompetenzen entwickeln — Gamification im Talent Management

Was Kinder längst wissen, entdecken Unternehmen neu: Wir lernen spielend. Gamification macht das Prinzip nutzbar — mit Chancen und einem Vorbehalt.

Kurzantwort

Spielen macht Spaß, verbindet Menschen — und hat ökonomischen Nutzen. Gamification überträgt Spielelemente wie Badges, Fortschrittsbalken und Highscores auf den Arbeitsalltag. Im Talent Management dient sie der Bindung (Nike+), dem Recruiting (Marriotts Facebook-Spiel) und dem Kompetenzaufbau (Mozillas Badges). Das Prinzip motiviert — solange es nicht zur bloßen Leistungsoptimierung verkommt.

Wenn wir an Gamification denken, beginnen wir am besten bei den Spieleklassikern — Pac-Man, Mario, oder heute World of Warcraft. Spiele machen Spaß, und durch Spielen lernen wir, das kennen wir von unseren Kindern. Spiele verbinden Menschen: Im Online-Gaming sind riesige, weltweit vernetzte Communities entstanden.

Doch Spielen hat auch ökonomischen Nutzen. Wenn etwa im Nike+ Run Club täglich Millionen Nutzer Daten über ihre Sportaktivitäten generieren, verbessert das ihre Bindung an die Plattform. Das Spielprinzip erfüllt einen wirtschaftlichen Zweck — und genau dieses Prinzip, neudeutsch Gamification, lässt sich nicht nur auf Produkte, sondern auch auf Organisationen anwenden.

Was früher eintönige Arbeit war, macht durch Badges, Fortschrittsbalken und Highscores plötzlich Spaß — Leistungsoptimierung als Spielprinzip.

Gamification im Talent Management: drei Anwendungen — Bindung (Nike+), Recruiting (Marriott) und Kompetenzaufbau (Mozilla).
Gamification im Talent Management: drei Anwendungen — Bindung (Nike+), Recruiting (Marriott) und Kompetenzaufbau (Mozilla). Eigene Darstellung © 2018 Prof. Dr. Kai Reinhardt.

In vielen Unternehmen halten Spielelemente Einzug in den Arbeitsalltag. Im Recruiting experimentierte die Hotelkette Marriott mit einem Facebook-Spiel, in dem Spieler ein eigenes Haus managen — guter Service gibt Punkte, schlechter Abzug; die generierten Daten fließen in die Auswahl potenzieller Mitarbeiter. Beim Kompetenzaufbau nutzt Mozilla nicht das Spaß-, sondern das Auszeichnungsprinzip: Badges geben Anreize, neue Fähigkeiten zu entwickeln.

Gamification ist damit ein wirksames Werkzeug im Talent Management — für Bindung, Recruiting und Kompetenzentwicklung. Der Vorbehalt bleibt: Wo Spielelemente nur der Leistungsoptimierung dienen, kippt das Motiv. Richtig eingesetzt aber macht Gamification sichtbar, was gute Entwicklung ausmacht — Fortschritt, Anerkennung und das Gefühl, besser zu werden.

Häufige Fragen

Was ist Gamification im Talent Management? Die Übertragung von Spielelementen — Badges, Fortschrittsbalken, Highscores — auf Personalprozesse wie Bindung, Recruiting und Kompetenzentwicklung.

Welche Beispiele gibt es? Der Nike+ Run Club (Bindung über Aktivitätsdaten), Marriotts Facebook-Recruiting-Spiel und Mozillas Badges (Anreiz zum Kompetenzaufbau).

Wo liegt das Risiko? Wenn Spielelemente nur der reinen Leistungsoptimierung dienen, kippt das Motiv. Sinnvoll ist Gamification dort, wo sie Fortschritt und Anerkennung sichtbar macht.

[kr] Kai Reinhardt · April 2018
Newsletter

Nichts Wichtiges verpassen

Alle zwei bis vier Wochen ein neuer Essay oder eine Feldnotiz — fundiert, ohne Marketing-Lärm.