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Network Navigator: wie eine Organisation vernetzt lernt

Die vernetzte Organisation wird gern mit Technik verwechselt. Dabei entsteht echte Vernetzung dort, wo Menschen zwischen den Welten übersetzen.

Kurzantwort

In vernetzten Organisationen entscheidet nicht die Technik, sondern der Mensch. Simon Terry nennt jene Experten, die Wissen über Abteilungsgrenzen hinweg übersetzen, Network Navigators. Sie verbinden isolierte Silos durch Interpretation und Kontext — nicht durch Intranets. Schon 2004 entwickelten wir am Fraunhofer IFF das verwandte Konzept des Wissenspromotors: Wissen vernetzt sich über die informelle Tertiärorganisation, nicht über die Hierarchie.

In einem Beitrag von Simon Terry stieß ich auf einen Gedanken, der in der Diskussion um die vernetzte Organisation oft übersehen wird: die Frage nach den „Übersetzern”. Gemeint sind Experten, die das Mindset und die Sprache verschiedener Bereiche harmonisieren — Menschen, die über Abteilungen hinweg arbeiten, sich aber wegen unterschiedlicher Gedankenwelten oft nicht verstehen. Terry nennt sie Network Navigators.

Wichtig ist das Verständnis von „vernetzter Organisation”: Es geht nicht primär um IT, Social Media oder Enterprise 2.0, sondern um das Phänomen, dass Organisationen an Robustheit gewinnen, wenn ihre Menschen besser vernetzt sind. Network Navigators sind die Beschleuniger dieser Vernetzung. Ihre Kernkompetenz ist es, verschiedene Abteilungskulturen zu verbinden — fern technischer Lösungen, allein durch die Katalyse des Austauschs. Sie verstehen die Anliegen und Bedenken der Beteiligten, schaffen Kontext und überwinden so das Silo-Denken.

Das Problem fragmentierter Organisationen: Wissen geht verloren, sobald die Person geht, an die es gebunden war.

Der Network Navigator als menschlicher Übersetzer zwischen den Silos Vertrieb, Forschung und Holding.
Der Network Navigator als menschlicher Übersetzer zwischen den Silos — verwandt mit dem Konzept des Wissenspromotors (Fraunhofer IFF, 2004). Eigene Darstellung © 2015 Prof. Dr. Kai Reinhardt.

Ein altes Konzept: der Wissenspromotor

An einer verwandten Frage arbeitete bereits 2004 ein Forscherteam am Fraunhofer-Institut IFF um Prof. Sibylle Peters, zu dem ich gehörte. Wir untersuchten, wie sich isolierte Wissensbestände — abseits der Führungskräfte — erfolgreich vernetzen lassen, und entwickelten das Konzept des Wissenspromotors, ein Pendant zum Network Navigator. Ausgangspunkt war die Beobachtung: Steigt die Komplexität eines Unternehmens, können Führungskräfte die Rolle der Vernetzer nicht mehr ausfüllen. Es braucht Rahmenbedingungen, damit Mitarbeitende selbst kleine interpersonelle Netzwerke aufbauen. Vernetztes Wissen ist dann keine Führungsaufgabe mehr, sondern liegt bei den Fachexperten selbst.

Theoretisch knüpft das an Nonaka und Takeuchi (1998) an: Neben der Primärorganisation (Hierarchie) und der Sekundärorganisation (Projekte) ermöglicht erst die Tertiärorganisation den informellen Austausch. Aus der Forschung entstand eine Art sozialwissenschaftliche Toolbox für den Aufbau vernetzter Strukturen — lange bevor Social Networks und Intranets diese Rolle technisch zu besetzen versuchten. Bemerkenswert ist, wie wenig die Wirtschaft bis heute über die Grundbedingungen von Vernetzung weiß — und wie sehr sie diese, jenseits der Technik, unterschätzt.

Häufige Fragen

Was ist ein Network Navigator? Ein Mensch, der Wissen über Abteilungsgrenzen hinweg übersetzt und isolierte Silos durch Interpretation und Kontext verbindet — nicht durch Technik, sondern durch die Katalyse des Austauschs.

Was ist ein Wissenspromotor? Das verwandte Konzept, das wir 2004 am Fraunhofer IFF entwickelten: Mitarbeitende bauen selbst informelle Netzwerke auf, in denen sich Wissen besser verbreitet — Vernetzung ist dann keine reine Führungsaufgabe mehr.

Geht es bei der vernetzten Organisation um Technik? Nein. Es geht um die menschliche Vernetzung: Organisationen werden robuster, wenn ihre Menschen besser verbunden sind — IT ist nur ein Teilaspekt.

[kr] Kai Reinhardt · Januar 2015
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