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№ 038AnalyseKI & Organisation

Die zwei Geschwindigkeiten der KI — warum Finance vorneweg geht

Während Unternehmen im Schnitt zu 40 % KI nutzen, liegt das Finanzmanagement bei 62 %. Eine HTW-Studie zeigt: Die Funktion entscheidet über die Adoption, nicht die Branche.

Kurzantwort

KI verbreitet sich in zwei Geschwindigkeiten: Während Unternehmen im Durchschnitt zu rund 40 % KI-basierte Technologien einsetzen, liegt das Finanzmanagement bei 62 %. Das zeigte die HTW-Studie „Future of Talent“ (164 Finanz-Experten weltweit, 2018). Der Grund ist nicht die Branche, sondern die Funktion: Im Finanzbereich liegen viele datenintensive, regelbasierte Prozesse, in denen Computersysteme nicht mehr nur „Datensklaven“ sind, sondern analysieren und mitentscheiden. Der Technologie-Mix war dabei klar: 48 % Machine Learning, 27 % Robotic Process Automation, 25 % Expertensysteme. Wer wissen will, wo KI zuerst greift, schaut also nicht auf die Branche, sondern auf die Aufgabe.

Es ist ein verbreiteter Reflex, KI-Adoption nach Branchen zu sortieren — Tech vorn, Industrie hinten. Unsere Daten zeigen, dass das die falsche Sortierung ist. Nicht die Branche entscheidet, wie schnell KI ankommt, sondern die Funktion. Und eine Funktion ist allen anderen voraus.

62 gegen 40 Prozent

In der HTW-Studie „Future of Talent“, die ich mit meinem Forschungsteam durchgeführt habe, befragten wir 164 Finanzmanagement-Experten weltweit. Das auffälligste Ergebnis: Während im Unternehmensdurchschnitt rund 40 Prozent KI-basierte Technologien nutzen, sind es im Finanzmanagement 62 Prozent. Der Finanzbereich ist, so formulierte ich es damals, „die Spielwiese für Pioniere der künstlichen Intelligenz“.

Warum ausgerechnet Finance

Der Grund liegt in der Natur der Arbeit. Finanzprozesse sind datenintensiv, regelbasiert und gut strukturiert — ideale Bedingungen für KI. Hier sind Computersysteme „nicht mehr nur reine Datensklaven“, sondern interagieren „auf Augenhöhe mit dem Menschen“, analysieren Daten und treffen Entscheidungen. Der Technologie-Mix bestätigte das: 48 Prozent Machine Learning, 27 Prozent Robotic Process Automation, 25 Prozent Expertensysteme. Das ist kein Spielzeug-Einsatz, sondern operativer Kern.

Wer wissen will, wo KI zuerst greift, schaut nicht auf die Branche, sondern auf die Aufgabe.

Was die zwei Geschwindigkeiten bedeuten

Die Lehre reicht über Finance hinaus. Wenn die Funktion über die Adoption entscheidet, dann breitet KI sich innerhalb jedes Unternehmens ungleich aus — sie kommt zuerst dort an, wo Prozesse datennah und regelhaft sind, und langsamer dort, wo Urteil und Aushandlung dominieren. Das ist eine Steuerungsinformation: Wer KI strategisch einführen will, sollte die datennahen Funktionen zuerst befähigen — und gleichzeitig die Folgen für Kompetenzen und Rollen mitdenken, die genau dort am frühesten sichtbar werden. Was das konkret heißt, zeigt Dieselbe KI, drei Wirkungen.

KI-Nutzung Finance 62 Prozent vs. 40 Prozent Durchschnitt und Technologie-Mix.
KI-Nutzung im Finance (62 %) gegenüber dem Unternehmensschnitt (40 %) und der Technologie-Mix 2018 — HTW-Studie „Future of Talent“. Eigene Darstellung © 2026 Prof. Dr. Kai Reinhardt.

Häufige Fragen

Wie stark nutzt der Finanzbereich KI? Überdurchschnittlich: Laut der HTW-Studie nutzen 62 % des Finanzmanagements KI-Technologien, gegenüber rund 40 % im Unternehmensschnitt.

Warum ist Finance KI-Vorreiter? Weil Finanzprozesse datenintensiv, regelbasiert und gut strukturiert sind — ideale Bedingungen für Machine Learning, RPA und Expertensysteme.

Was bedeuten die „zwei Geschwindigkeiten der KI“? Dass nicht die Branche, sondern die Funktion über die KI-Adoption entscheidet: KI kommt zuerst in datennahen, regelhaften Funktionen an, langsamer dort, wo Urteil und Aushandlung dominieren.

[kr] Kai Reinhardt · Oktober 2025
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