KI schreibt die Buchhaltung um — aber nicht so, wie alle denken
In einer der ersten empirischen Studien zum Thema haben wir 164 Finanzmanagement-Experten befragt, wie KI Rollen und Kompetenzen im Corporate Finance verschiebt. Das Ergebnis widerlegt den Mythos vom großflächigen Stellenabbau — und zeigt, wo Urteilskraft an Wert gewinnt.
KI schreibt die Buchhaltung um — aber nicht so, wie alle denken. In einer der ersten empirischen Studien dazu haben wir 164 Finanzexperten befragt, wie KI Rollen und Kompetenzen im Corporate Finance verschiebt. Das Ergebnis widerlegt den Mythos vom reinen Stellenabbau: KI ersetzt seltener Menschen, als sie ihre Aufgaben verschiebt.
Welche Finance-Rollen schrumpfen wirklich durch KI — und welche werden, scheinbar paradox, wichtiger?
Die Ausgangslage
2018, mitten im ersten großen KI-Hype, ging die Angst vor einem massenhaften Stellenabbau im Finanzbereich um. Meine Forschungsgruppe an der HTW Berlin führte dazu — gemeinsam mit meinem Masterteam (Kristin Brandt, Carolin Gerlach, Anne Glöde, Judith Limbach) — die Studie „Future of Talent #1“ durch: eine standardisierte Befragung von 164 Finanzmanagement-Experten mit 184 pfadabhängigen Fragen, ausgewertet über elf repräsentative Rollen in vier Teilbereichen (CFO, Rechnungswesen, Controlling/FP&A, Governance/Risk/Compliance).
Befund 1: KI wirkt zuerst, wo standardisiert wird
Schon 2018 setzten 40 % aller befragten Unternehmen überhaupt KI ein — im Finanzprozess aber 62 %. Vor allem Machine Learning und Robotic Process Automation, kaum Expertensysteme. KI frisst sich also von den transaktionalen Routinen her durch die Organisation, nicht von der Strategie her.
Die Methode: drei Aufgabenarten als Substitutions-Raster
Das Analysemodell unterscheidet pro Rolle drei Aufgabenarten: transaktionale Aufgaben (routinemäßig, voll automatisierbar), traditionelle Tätigkeiten (teilautomatisierbar, technologiegestützt) und transformationale Aktivitäten (strategisch, wertschöpfend, nicht automatisierbar). Der Substitutionsgrad einer Rolle ergibt sich aus dem Mischverhältnis dieser drei — nicht aus der Technologie an sich.
Befund 2: der Mythos der Kompetenzzerstörung
Statt Massenabbau zeigen die Daten drei Tendenzen gleichzeitig: Substitution transaktionsnaher Jobs, Aufwertung urteilsintensiver Rollen (Risiko, Revision, Governance) und die Entstehung gänzlich neuer Rollen mit eigenen Kompetenzprofilen. „Die KI-Zukunft ist nicht Schwarz-Weiß, sondern ein differenziertes Bild aus vielen Grautönen.”
Die übertragbare Erkenntnis
Nicht die Technik entscheidet über die Wirkung der KI im Finance, sondern die Kompetenzarchitektur, die sie trägt. Die Studie ist bis heute die empirische Grundlage mehrerer meiner Insights und Vorträge zum Corporate Finance.
Was hier erzählt wird Der Fall beschreibt die publizierte HTW-Studie „Future of Talent #1“ (Reinhardt mit Masterteam, 2018) und ihr Analysemodell; vertrauliche Projektinhalte bleiben außen vor.
Vernetzt
Worauf dieser Fall aufsetzt — Modell, Feld, weitere Projekte.
KI im Finance — und die Frage, welche Kompetenzen tragen?
Ich bringe die Befunde in Keynotes und Strategie-Workshops und arbeite mit Finance-Organisationen an der Kompetenzseite der KI-Transformation.