Warum der Vorsprung am Ort gebunden ist, nicht am Preis
Die teuerste Verwechslung der Standortdebatte ist die zwischen Kosten und Wert. Ein günstigerer Standort ist eine Rechnung; die Wissensbasis, die an einem Ort über Jahre gewachsen ist, ist es nicht. Sie steckt in eingespielten Teams, in stillschweigendem Können, in der Nähe zu Zulieferern und qualifiziertem Personal — in einer milieugebundenen Einmaligkeit, die sich nicht in die Kalkulation einer Verlagerung übersetzt und sich genau deshalb nicht beliebig verschieben lässt.
Die Fälle im Buch machen das greifbar. John Deere in Mannheim zeigt die Einzigartigkeit eines Standorts, dessen Wissen nicht ablösbar ist. Und als BMW ab 2000 aus 250 Standorten den Ort für sein 1er-Werk suchte, gewann 2001 Leipzig — nicht weil es am billigsten war, Osteuropa war deutlich günstiger, sondern wegen qualifizierten Personals, der Nähe zu Zulieferern und der Infrastruktur. Die wissensnahen Faktoren gaben den Ausschlag.
Aus dieser Linie ist später mein gesamtes Denken zu Kompetenz erwachsen. „Wissen verlagern" ist die wissensökonomische Wurzel: die Frage, was mit dem an Menschen gebundenen Können geschieht, wenn Arbeit den Ort wechselt. Sie kehrt heute wieder, wenn Arbeit nicht mehr geografisch, sondern an KI-Systeme „verlagert" wird — dieselbe Mechanik, dieselbe Frage nach Aufbau, Erhalt oder Verlust von Kompetenz.