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Frühwerk · Gabler 2006

Verlagern spart Kosten — und kann Kompetenz kosten.

Wissen verlagern — Risiken und Potenziale von Standortverlagerungen. Warum Wissensressourcen bei Globalisierungs- und Verlagerungsentscheidungen den Ausschlag geben, nicht die Kostenrechnung allein. Von Sibylle Peters, Kai Reinhardt & Holger Seidel.

Gabler (Deutscher Universitäts-Verlag) · 2006 · 232 S. · ISBN 978-3-8349-0327-3
Die These

Standortentscheidungen werden über Kosten geführt. Den Ausschlag gibt das Wissen.

Mitten in der Offshoring-Welle der 2000er drehte sich die Debatte fast nur um Zahlen: Lohnkosten, Steuern, strukturelle Modelle. Was dabei kaum bewertet wurde, war die lokale Wissensbasis — das an Menschen und Orte gebundene Können, das eine Entscheidung nicht in der Kalkulation auftaucht und sich nicht einfach verschieben lässt. Wer so entscheidet, riskiert, dass zu schnell und zu viel verlagert wird.

Das Buch dreht die Perspektive um: Es macht Wissen zum strategischen Faktor jeder Standortentscheidung. Sein Kernbefund ist der härteste zur Rückverlagerung — Unternehmen kehren nicht wegen der Kosten zurück, sondern wegen fehlender Qualität und Verfügbarkeit von Personal. Wer eine Verlagerung trifft, ohne das gebundene Wissen eines Standorts zu bewerten, spart Kosten und verliert Kompetenz.

Wir — Sibylle Peters, Holger Seidel und ich — haben das Buch geschrieben, weil die Standortdebatte am eigentlichen Faktor vorbeilief: Es ging nie nur um Kosten, sondern um das Wissen, das mit der Arbeit den Ort wechselt — oder verloren geht.

GABLER · 2006 Wissenverlagern PETERS · REINHARDT · SEIDEL [kr]
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Gabler · 2006

232 Seiten · ISBN 978-3-8349-0327-3 · mit Sibylle Peters & Holger Seidel

Risiken und Potenziale von Standortverlagerungen — warum Wissensressourcen bei Globalisierungsentscheidungen den Ausschlag geben.

Was im Buch steht

Wissen als Maßstab jeder Standortentscheidung.

  1. Warum Kosten nicht der Maßstab sind — und weshalb die lokale Wissensbasis in den meisten Verlagerungsentscheidungen schlicht nicht vorkommt.
  2. Der Wissensstandort-Monitor: ein Raster, das jede Entscheidung danach ordnet, ob sie Wissen aufbaut, erhält oder zerstört — neun Verlagerungstypen.
  3. Der Rückverlagerungs-Befund: Heimkehrer kommen nicht wegen der Kosten zurück, sondern wegen fehlender Qualität und Verfügbarkeit von Personal.
  4. Zwei Fälle — John Deere Mannheim und das BMW-1er-Werk in Leipzig — zeigen, wie ortsgebunden Wissen ist und wie Qualifikation die Kosten schlägt.
Das Buch in einem Bild

Baut diese Verlagerung Wissen auf — oder zerstört sie es?

Das zentrale Instrument des Buches ordnet jede Standortentscheidung auf zwei Achsen: die Art der Entscheidung — Verbleib, Auslandsverlagerung, Rückverlagerung — und ihre Wirkung auf die lokale Wissensbasis — Aufbau, Erhalt, Verlust. Daraus entstehen neun Typen, die sichtbar machen, was eine Entscheidung mit dem Wissen tut.

Der Wissensstandort-Monitor als 3x3-Matrix: jede Standortentscheidung danach bewerten, ob sie Wissen aufbaut, erhält oder zerstört (Reinhardt u.a. 2006).
Der Wissensstandort-Monitor: jede Standortentscheidung danach bewerten, ob sie Wissen aufbaut, erhält oder zerstört — neun Verlagerungstypen. Eigene Darstellung © 2026 Prof. Dr. Kai Reinhardt; nach Peters, Reinhardt & Seidel, Wissen verlagern (Gabler 2006).

So liest sich die Grafik: Eine Verlagerung ist nicht per se gut oder schlecht — entscheidend ist ihr Feld in der Matrix. Dieselbe Entscheidung kann Wissen aufbauen oder zerstören, je nachdem, was mit der ortsgebundenen Kompetenz geschieht. Genau das macht der Monitor sichtbar, bevor die Entscheidung fällt.

Warum der Vorsprung am Ort gebunden ist, nicht am Preis

Die teuerste Verwechslung der Standortdebatte ist die zwischen Kosten und Wert. Ein günstigerer Standort ist eine Rechnung; die Wissensbasis, die an einem Ort über Jahre gewachsen ist, ist es nicht. Sie steckt in eingespielten Teams, in stillschweigendem Können, in der Nähe zu Zulieferern und qualifiziertem Personal — in einer milieugebundenen Einmaligkeit, die sich nicht in die Kalkulation einer Verlagerung übersetzt und sich genau deshalb nicht beliebig verschieben lässt.

„Erfolgreiche Unternehmen zerstören kein Wissen."

Die Fälle im Buch machen das greifbar. John Deere in Mannheim zeigt die Einzigartigkeit eines Standorts, dessen Wissen nicht ablösbar ist. Und als BMW ab 2000 aus 250 Standorten den Ort für sein 1er-Werk suchte, gewann 2001 Leipzig — nicht weil es am billigsten war, Osteuropa war deutlich günstiger, sondern wegen qualifizierten Personals, der Nähe zu Zulieferern und der Infrastruktur. Die wissensnahen Faktoren gaben den Ausschlag.

Aus dieser Linie ist später mein gesamtes Denken zu Kompetenz erwachsen. „Wissen verlagern" ist die wissensökonomische Wurzel: die Frage, was mit dem an Menschen gebundenen Können geschieht, wenn Arbeit den Ort wechselt. Sie kehrt heute wieder, wenn Arbeit nicht mehr geografisch, sondern an KI-Systeme „verlagert" wird — dieselbe Mechanik, dieselbe Frage nach Aufbau, Erhalt oder Verlust von Kompetenz.

Für wen — und warum

Geschrieben für die, die Standorte nicht allein über Kosten entscheiden.

Das Buch ist für die Entscheidung vor der Verlagerung gedacht: für die Geschäftsführung, die wissen will, ob ein günstigerer Standort wirklich günstiger ist, sobald man das verlorene Können einrechnet; für Strategie- und Standortverantwortliche, die ahnen, dass die Wissensbasis in keiner Kalkulation auftaucht; für Personal- und Wissensverantwortliche, die Kompetenz nicht abwandern lassen wollen. Wer eine reine Kostenrechnung sucht, ist hier falsch. Wer Wissen als strategischen Faktor von Standortentscheidungen bewerten will, findet hier das Raster und die Fälle dazu.

GeschäftsführungStrategie & StandortentwicklungPersonal- & WissensverantwortlicheForschung & Lehre

Geschrieben haben es Sibylle Peters — als langjährige wissenschaftliche Wegbegleiterin — Holger Seidel und Prof. Dr. Kai Reinhardt, heute Professor für BWL, Organisation und Personal an der HTW Berlin. Es ist eines seiner frühen Werke und steht am Anfang einer durchgehenden Forschungslinie zu Wissen und Kompetenz — kein Trendbuch, sondern Forschung aus einem Projekt der Hans-Böckler-Stiftung.