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AnalyseKompetenz & Prognose

Prediction Markets im Kompetenzmanagement — die bessere Frage stellen

Wir fragen Menschen gern nach ihren Vorlieben — und wundern uns, dass sie sich anders verhalten. Prognosemärkte drehen die Frage um.

Kurzantwort

Klassische Präferenzforschung (Conjoint-Analysen) fragt Einzelne nach ihren Vorlieben — doch rational abgefragte Präferenzen korrelieren schlecht mit der emotionalen Entscheidung im echten Kontakt. Prognosemärkte (Prediction Markets) drehen die Frage um: Statt zu fragen, was jemand tun wird, fragen sie, was passieren wird. Teilnehmer handeln mit Eintritts-Wahrscheinlichkeiten — eine Schwarm-Prognose, die oft treffsicherer ist.

Getrieben von immer komplexerem Kundenverhalten verwenden Unternehmen viel Zeit darauf, zu analysieren, warum Kunden etwas kaufen und welche Präferenzen sie haben. Von diesen Präferenz- oder Conjoint-Analysen lebt eine ganze Industrie — und sie verschlingen oft einen großen Teil des Budgets.

Aktuelle Forschung widerlegt jedoch einen lange gehegten Glaubenssatz: dass rational abgefragte Aussagen zu Präferenzen mit der tatsächlichen, emotional getriggerten Entscheidung korrelieren. Laut der Marketing-Technologie-Expertin Julie Wittes Schlack steht das Einkaufsverhalten in keinem klaren Verhältnis zu emotionalen Markenpräferenzen. Stimmt das, bedeutet es in einer Welt komplexer Entscheidungsoptionen das Ende klassischer Präferenzforschung.

Statt zu fragen „Was werden Sie tun?”, fragt der Prognosemarkt „Was wird passieren?”.

Klassische Einzelbefragung („Was werden Sie tun?“) gegenüber dem Prognosemarkt („Was wird passieren?“) als Schwarm-Prognose.
Prediction Markets stellen die bessere Frage: nicht nach individueller Präferenz, sondern nach erwarteten Zuständen — eine Schwarm-Prognose. Eigene Darstellung © 2018 Prof. Dr. Kai Reinhardt.

An die Stelle der Einzelbefragung treten Werkzeuge, die auf sozial-vernetzter Meinungsbildung beruhen. Big-Data-Analyse ist dabei nur die technische Basis. Im Kern arbeiten moderne Verfahren mit Prediction Markets — virtuellen Marktplätzen, auf denen Teilnehmer mit der Wahrscheinlichkeit des Eintritts bestimmter Zustände handeln. Der entscheidende Unterschied liegt in der Eingangsfrage: nicht „Was werden Sie tun?” (individuelle Präferenz), sondern „Was wird passieren?” (erwarteter Zustand).

Diese Schwarm-Prognose ist verschiedenen Studien zufolge oft treffsicherer als die Summe individueller Aussagen. Übertragen auf das Kompetenzmanagement eröffnet das eine spannende Perspektive: Statt einzelne Mitarbeitende nach ihrem geplanten Weiterbildungsverhalten zu fragen, ließe sich kollektiv prognostizieren, welche Kompetenzen künftig gebraucht werden — und wo Engpässe entstehen. Die bessere Frage führt zur besseren Vorhersage.

Häufige Fragen

Was sind Prediction Markets? Virtuelle Marktplätze, auf denen Teilnehmer mit der Eintritts-Wahrscheinlichkeit bestimmter Zustände handeln. Sie nutzen Schwarm-Intelligenz, um Zukünftiges zu prognostizieren.

Warum sind sie besser als klassische Präferenzforschung? Weil sie nicht nach individuellen Vorlieben fragen, die schlecht mit echtem Verhalten korrelieren, sondern nach erwarteten Zuständen — eine Schwarm-Prognose, die oft treffsicherer ist.

Was bedeutet das fürs Kompetenzmanagement? Statt Einzelne nach geplantem Verhalten zu fragen, lässt sich kollektiv prognostizieren, welche Kompetenzen künftig gebraucht werden und wo Engpässe drohen.

[kr] Kai Reinhardt · März 2018
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