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FrameworkModell · Strategisches Kompetenzmanagement

Digital Leadership Excellence — das Kompetenzmodell für Führung im digitalen Zeitalter

Welche Kompetenzen brauchen Führungskräfte, wenn Digitalisierung nicht nur das Geschäftsmodell, sondern das Machtgefüge verändert? Drei aktivitätsbasierte Felder statt abstrakter Kompetenztypen.

Feld: Strategisches Kompetenzmanagement · seit 2018 · HTW-Trendstudie im EFRE-Projekt „Digital Value“ (mit S. Lueken)
Kurzantwort

Digital Leadership Excellence ist ein Kompetenzmodell für Führung im digitalen Zeitalter. Sein Kern: Digitale Führung lässt sich nicht über abstrakte Kompetenztypen entwickeln, sondern über drei aktivitätsbasierte Kompetenzfelder — digitale Ökosysteme kuratieren, Menschen zu Agilität und Selbstreflexion befähigen und agile, smarte Organisationen designen. Entstanden aus einer HTW-Studie mit 429 Experten.

Die drei Kompetenzfelder

Konventionelle Kompetenzmodelle unterscheiden nach Kompetenztypen und sind nur mit hohem Aufwand operationalisierbar. Digital Leadership Excellence gliedert stattdessen nach Aktivitäten — danach, was Führung im digitalen Zeitalter tatsächlich leisten muss. Output-orientiert statt eigenschaftsorientiert.

F1
Digitale Ökosysteme kuratieren
Technik & Umfeld
IT-Kompetenz · Umgang mit Komplexität und Unsicherheit · Akzeptanz für digitale Prozesse schaffen.
F2
Menschen zu Agilität befähigen
Mensch & Selbstreflexion
Umgang mit offenen Innovationen · Agilität · Selbstmanagement · Mitarbeiter zur Selbstständigkeit befähigen.
F3
Agile Organisationen designen
Struktur & Gestaltung
Veränderungsbereitschaft · Kommunikationsfähigkeit · Entscheidungsfähigkeit.
MODELL · STRATEGISCHES KOMPETENZMANAGEMENT Digital Leadership Excellence Drei aktivitätsbasierte Kompetenzfelder digitaler Führung. F1 Digitale Ökosysteme kuratieren IT-Kompetenz Umgang mit Komplexität Akzeptanz für digitale Prozesse F2 Menschen zu Agilität befähigen Umgang mit offenen Innovationen Agilität Selbstmanagement Mitarbeiter zur Selbstständigkeit F3 Agile Organisationen designen Veränderungsbereitschaft Kommunikationsfähigkeit Entscheidungsfähigkeit [kr] Prof. Dr. Kai Reinhardt · kaireinhardt.de © 2026 Kai Reinhardt
Digital Leadership Excellence: drei aktivitätsbasierte Kompetenzfelder mit ihren Einzelkompetenzen. Eigene Darstellung © 2026 Prof. Dr. Kai Reinhardt, nach Reinhardt & Lueken (2018).

Warum Führung ein eigenes Kompetenzmodell braucht

Digitalisierung trifft Unternehmen auf zwei Ebenen zugleich. Auf der ökonomischen verändert sie die Spielregeln — Plattform-Geschäft, Industrie 4.0, KI im Kundenservice — und macht es schwer, den richtigen strategischen Weg zu bestimmen. Auf der Verhaltensebene verunsichert sie die Menschen: Wie verändert sich mein Arbeitsplatz, was wird meine Aufgabe, wie kann ich mich entwickeln? Bleiben diese Fragen ohne Antwort, droht Stillstand — die Mitarbeitenden hadern, warten ab oder gehen.

An genau dieser Stelle rücken Führungskräfte in den Mittelpunkt — und zeigen oft die geringste Veränderungsbereitschaft. Der Grund liegt tiefer als Trägheit: Aufgaben und Autorität einer Führungskraft werden über Regeln definiert — Organigramme, Verfahren, Prozesse. Digitalisierung greift in dieses Machtsystem ein (Verantwortungs-Diffusion, flache Hierarchien, Mitbestimmung) und bedroht den einzelnen Entscheider. So rational die Digitalisierung ökonomisch ist, so irrational fällt die Reaktion aus, wenn der Machtanspruch berührt wird.

„Digitale Führung lässt sich nicht verordnen — sie braucht neue, aktivitätsbasierte Kompetenzen, die man gezielt aufbauen kann."

Industriezeitalter vs. Digitalzeitalter

Gefragt ist nicht mehr der hierarchisch konditionierte Manager mit Durchsetzungsvermögen und Einzelkämpfer-Mentalität, sondern Führung, die mit Komplexität und Unsicherheit umgehen kann. Der Kontrast in Stichworten:

Führung im Industriezeitalter: meidet Veränderung und passt sich erst durch Krisen an · entscheidet top-down · etabliert umfassende Regel- und Kontrollsysteme · fokussiert Effizienz- und Einsparprogramme · Wettbewerb um Beförderungen.

Führung im Digitalzeitalter: laufende Veränderung und Experimente in der Struktur · hoher Grad an Agilität und Selbstorganisation · Verantwortung aller Beteiligten · Talente entwickeln und halten · schnelle Entscheidungen · ein neues, soziales Machtverständnis und Strategie bis auf Mitarbeiterebene.

Die drei Felder im Detail

Feld 1 — Digitale Ökosysteme kuratieren. Führung muss Technologie und digitale Ökosysteme gestalten, nicht nur dulden: IT-Kompetenz (Informationstechnik verstehen und Systeme einsetzen), Umgang mit Komplexität und Unsicherheit (komplexe Prozesse in komplexem Umfeld steuern) und das Schaffen von Akzeptanz für digitale Prozesse bei den Mitarbeitenden.

Feld 2 — Menschen zu Agilität und Selbstreflexion befähigen. Im Zentrum steht der Mensch: Umgang mit offenen Innovationen (Design Thinking, Scrum), Agilität (flexibel, proaktiv, antizipativ handeln), Selbstmanagement (eigene Leistung, Stärken, Ziele und Zeit verantworten) und die Fähigkeit, Mitarbeitende zur Selbstständigkeit zu befähigen — Autonomie und Eigenverantwortung zu fördern.

Feld 3 — Agile und smarte Organisationen designen. Führung gestaltet die Struktur, in der das alles wirkt: Veränderungsbereitschaft (Veränderungsprozesse inhaltlich und emotional steuern), Kommunikationsfähigkeit (verbal und nonverbal) und Entscheidungsfähigkeit (aktiv zwischen Handlungsmöglichkeiten wählen). Verfügen Manager über diese Kompetenzen, verändern sie Machtstrukturen aktiv — weg vom dokumentierten Einzelwissen, hin zur kollektiven Intelligenz.

Woher das Modell kommt

Digital Leadership Excellence ist kein Schreibtisch-Modell. Es entstand aus der HTW-Trendstudie „Digital Leadership — neue Anforderungen an die Führungskräfteentwicklung im digitalen Zeitalter“ im EFRE-geförderten Projekt „Digital Value“ für Berliner Unternehmen: 429 Experten wurden quantitativ zur digitalen Führungskräfteentwicklung befragt; ergänzend wurden 35 Software-Anbieter der Führungskräfteentwicklung untersucht, um die Anforderungen mit den realen Umsetzungsmöglichkeiten abzugleichen. Das Modell steht in der Linie meiner Arbeiten zu Disruption und Kompetenz (Reinhardt 2014) und zum Kompetenzmanagement als Führungsinstrument (Reinhardt 2017).

Wer es nutzt — und wie

Das Modell richtet sich an alle, die Führung entwickeln: Geschäftsführung, Personal- und Führungskräfteentwicklung. Als Diagnoseraster macht es sichtbar, welche der drei Felder eine Führungsmannschaft schon trägt und wo gezielt nachqualifiziert werden muss. In der Entwicklung strukturiert es Curricula und Lernarchitekturen — bevorzugt arbeitsintegriert und „on the job", ergänzt durch Präsenzformate. Lessons Learned der Studie: Digitale Führung erfordert den Aufbau neuer, aktivitätsbasierter Kompetenzbereiche; traditionelle Führungskräfte werden nicht überflüssig, aber ihre Denkmuster müssen sich ändern.

Häufige Fragen

Was ist Digital Leadership Excellence? Ein Kompetenzmodell von Kai Reinhardt (mit Saskia Lueken, 2018) für erfolgreiche Führung im digitalen Zeitalter. Statt nach klassischen Kompetenztypen gliedert es digitale Führung in drei aktivitätsbasierte Kompetenzfelder.

Welche drei Kompetenzfelder umfasst das Modell? Digitale Ökosysteme kuratieren; Menschen zu Agilität und Selbstreflexion befähigen; agile und smarte Organisationen designen — jedes Feld mit konkreten Einzelkompetenzen.

Worauf beruht das Modell? Auf der HTW-Trendstudie „Digital Leadership" im EFRE-Projekt „Digital Value": 429 Experten quantitativ befragt, ergänzt um 35 Software-Anbieter der Führungskräfteentwicklung.

Was unterscheidet digitale von konventioneller Führung? Industriezeitalter-Führung meidet Veränderung, entscheidet top-down und sichert Macht über Regeln; digitale Führung arbeitet agil und selbstorganisiert, verteilt Verantwortung und entscheidet schnell.

Selbsttest · 2 Minuten · 9 Parameter

Wie digital führt Ihre Organisation?

Bewerten Sie für jeden Parameter, wo Ihre Führung heute tatsächlich steht — auf einer Achse von −2 (ganz im Modus konventioneller Führung) über 0 (teils/teils) bis +2 (voll im Modus digitaler Führung). Sie erhalten sofort eine Auswertung mit konkreten Handlungsempfehlungen.

Nach: Reinhardt, K. (2021), „Digital Leadership Excellence", in: Matusiewicz & Werner (Hrsg.), Future Skills in Medizin und Gesundheit (MWV). Strukturierte Selbsteinschätzung — kein diagnostisches Instrument.